Vortrags-Panel

Vortrags-Panel 1

  • Cornelia Rüegger: Von der Situation zum Fall – Prozesse, Praktiken und Sinnstrukturen der Fallkonstitution in der Sozialen Arbeit
    Der Fall ist das Zentrum der professionellen Intervention. Was aber der Fall ist, ist nicht objektiv gegeben. Vielmehr wird er in der Interaktion mit der Klientel in einem bestimmten organisationalen Rahmen konstituiert. Auf empirischer Grundlage geht der Beitrag der Frage nach, wie in der Sozialen Arbeit ein Fall hergestellt wird. Im Zentrum steht die Phase der interaktiven Herstellung des Falles und des fallrelevanten Wissens im Gespräch zwischen der Fachkraft und der Klientel. Es wird auf die Bedeutung der Eröffnungsprozedur für die
    Sach- und Beziehungsebene der Fallkonstitution eingegangen und gezeigt, welche Aufgaben hier von den Professionellen kommunikativ bearbeitet werden, wie z.B. die Herstellung einer Hilfsbedürftigkeit. Ein zweiter Fokus liegt bei den Merkmalen der Problemexploration und Verständigungssicherung. Hier zeigen sich unterschiedliche Praktiken der Problempräsentation, Prozeduren der Falldimensionierung und verschiedene Formen der Verschränkung des Wissens.

 

  • Hubert Höllmüller: „Ich seh etwas was Du nicht siehst“ – Ansprüche an die Disziplin
    Zwei Grundkonzepte lassen sich in den – inzwischen durchaus zahlreichen – Werkzeugen Sozialer Diagnostik beobachten: prozessorientiert-systembezogene und einschätzungsorientiert verbalisierende. Sind die einen fortschreitend zirkulär, also kybernetisch, angelegt, so sind die anderen ontologisierend. Der Diskurs Sozialer Diagnostik, geführt von der Disziplin Sozialer Arbeit, sollte auch diese Grundkonzepte umfassen und ihre Für und Wider als Orientierungshilfe für die Profession erläutern.
    Betroffene und Profession müssen zu gemeinsamen Formen Sozialer Diagnostik kommen, damit die Disziplin ihr Ziel erreicht und Werkzeuge Sozialer Diagnostik auch angewendet werden.

 

Vortrags-Panel 2

  • Peter Pantuček-Eisenbacher: Immer nur Probleme?
  • Anna Entenfellner & Irina Taschler: Multiprofessionelles Assessment im Rahmen des PSD-ICM

 

Vortrags-Panel 3

  • Carla Frei: Verwendung von sozialdiagnostischen Instrumenten in der Praxis der Kinder- und Jugendhilfe bei Fremdplatzierungsprozessen in Vorarlberg
    Ziel dieser Arbeit war es, zu untersuchen, welche sozialdiagnostischen Instrumente im Abklärungsprozess der Kinder- und Jugendhilfe Vorarlberg eingesetzt werden und wie die Erziehungsberechtigten und die Kinder in den diagnostischen Abklärungsprozess eingebunden sind. Anhand einer qualitativen Dokumentenanalyse wurden 100 Fallakten, in denen es zu einer Fremdplatzierung kam, auf die Verwendung von sozialdiagnostischen Verfahren und Instrumente unter der biopsychosozialen Perspektive untersucht. Berücksichtigt wurden dabei die aktuellsten Fallakten rückführend ab Dezember 2016. Der Einwohner*innenzahl entsprechend waren anteilsmässig Akten aus Bregenz, Dornbirn, Feldkirch und Bludenz vertreten. Das Ergebnis zeigt, dass einige wenige sozialdiagnostische Instrumente und Verfahren bereits verwendet werden und die Kinder- und Jugendhilfe Vorarlberg im Vergleich zu anderen Bundesländern fortschrittlich arbeitet. Dennoch gibt es weitere Ideen und Entwicklungsmöglichkeiten, die im Abklärungsprozess ihren Platz finden könnten. Die Perspektive der Erziehungsberechtigten wird im Verfahren differenziert erfasst, wobei das Erfassen der Kinderperspektive noch ausgebaut werden könnte.

 

  • Manuela Hausegger: 30 Jahre Soziale Diagnostik in der Wiener Kinder- und Jugendhilfe – ein historischer Abriss
    Die Referentin skizziert die Entwicklungen in der Wiener Kinder- und Jugendhilfe in den letzten 3 Jahrzehnten.  Sie stellt die fachlichen Anforderungen des Tätigkeitsfeldes und den Veränderungsprozess ihrer Organisation vor dem gesellschaftspolitischen Hintergrund dar und erläutert, welche Instrumente sozialer Diagnostik in unterschiedlichen Kontexten zur Anwendung kommen bzw. wie sie implementiert wurden.

 

Vortrags-Panel 4

  • Ingmar Freudenthaler – Diagnosen und Komplementaritäten. Was können wir erkennen, um hilfreich zu sein und was hat das mit Liebe zu tun?
    Anhand von zwei Schaubildern soll der Frage nachgegangen werden, wie sich im Rahmen Sozialer Diagnostik die Komplementarität von Wahrheit und Klarheit auswirkt. Um nach unserem Erkennen hilfreich handeln zu können, werden wir ein zweites „Sowohl-als-auch“ diskutieren, das in Subjektbeziehungen eingeschrieben ist: Bindung und Wachstum.

 

  • Ralf-Eric Kluschatzka & Alois Huber: (De)Konstruktion, Diagnose und Dialektik
    Sind Diagnosen feste und unveränderliche Entitäten, also Objekte, die wissenschaftlich-exakt erfasst werden können? Oder sind Diagnosen Produkte aus Kommunikationsprozessen? Derivate eines interaktionellen Austausches, eingebettet in ein soziales Normensystem?
    Dr. Gunther Schmidt, Gründer des Milton Erickson Instituts in Heidelberg und der Klinik für Psychosomatik SysTelios, weist darauf hin, das Diagnosen zwar gebraucht werden, um im Krankensystem anschlussfähig zu sein. Allerdings können diese auch negative Effekte für Klientinnen haben – besonders dann, wenn Klientinnen an die eigenen Diagnosen glauben.
    Soziale Arbeit sieht sich einerseits der Professionalisierungsdebatte „ausgesetzt“ und versucht durch die Hinzunahme eines diagnostischen Manuals sich zu etablieren. Andrerseits darf Sie in einem ethisch-soziologischen und internal-psychischen Verständnis nicht übersehen, welche Wirkungen Diagnosen auf Menschen haben können. Stichwort Stigma, Erving Goffman.
    Was also fachlich tun?

 

Vortrags-Panel 5

  • Johannes Pflegerl: Diagnostikleitfaden zur Erhebung von Ressourcen und Belastungen pflegender Angehöriger von demenzerkrankten Menschen
    Dem vorliegenden Diagnostikleitfaden liegt ein zweistufiges Konzept zugrunde. Dieses sieht vor, in einem Erstgespräch die persönlichen Ressourcen und Belastungsfaktoren von pflegenden Angehörigen anhand eines strukturierten Gesprächsleitfadens zu erheben. Die pflegende Person soll als Co-Produzent*in aller Daten aktiv einbezogen werden und im Anschluss an das Erstgespräch ein Handout mit Visualisierung der zentralen Inhalte des Erstgesprächs erhalten. Im Anschluss an das Erstgespräch ist eine Auswertung der zentralen Gesprächsinhalte sowie der Visualisierungen vorgesehen mit dem Ziel, passgenaue Unterstützungsangebote zu identifizieren. Im Zweitgespräch ist konzeptuell eine gemeinsame Interpretation der Erkenntnisse aus dem Erstgespräch sowie eine gemeinsame Diskussion über die identifizierten Unterstützungsangebote geplant. In einem Vortrag wird das Konzept näher präsentiert und anschließend zur Diskussion gestellt.

 

  • Peter Lüdtke: Netzwerkgespräche
    Das Organisieren und Durchführen von Netzwerkgesprächen gehört zu den Grundfertigkeiten von Sozialarbeiter*Innen. Vorgestellt wird die Organisation und Durchführung von Netzwerkgesprächen in Anlehnung an den Offenen Dialog nach Jakko Saikkulas. Das Ziel sind Netzwerkgespräche bei denen jede Stimme gleiches Gewicht hat und das soziale Umfeld der Klient*innen und die Ankerperson selbst, den Prozess bestimmen. Reflekting Team, Meta-Kommunikation sowie zwei Moderator*innen sind Kennzeichen dieser Methode.

 

Vortrags-Panel 6

  • Hannes Henzinger: Diagnose Kindeswohlgefährdung – Ein Vorschlag zur Auftragsklärung in der Kinder- und Jugendhilfe
    Jede „Einmischung“ der Kinder- und Jugendhilfe in Familien setzt eine Kindeswohlgefährdung voraus. Diese zu erfassen, zu benennen und zu reflektieren ist unabdingbare Grundlage für einen transparenten und partizipativen Hilfeplanungsprozess. Die Komplexität dieser Aufgabe wird oft unterschätzt. Fehlende Problemkongruenz ist oft ein Hemmnis in der Begleitung von Familien das nicht nur auf mangelnde Einsichtsbereitschaft der Klient*innen zurückzuführen ist. Das vorgestellte Instrument unterstützt ein strukturiertes und kooperatives Erfassen von Kindeswohlgefährdung – wie im BKJHG vorgesehen. Die im § 138 ABGB angeführten Aspekte bei der Beurteilung des Kindeswohles werden in der Formulierung als kindliche Bedürfnisse benannt. In einer Kurzform der kollegialen Beratung wird eine Gefährdungseinschätzung in Abgrenzung zwischen Sachverhalten und Vermutungen einer intersubjektiven Validierung unterzogen. Diese dient als Grundlage für die Beteiligung von Familien an der Hilfeplanung.

 

  • Kathrin Weninger: Gewichtung von Risikofaktoren zur Unterstützung der Interventionsplanung
    Meine Idee ist es, das Instrument „Kriteriengewichtung“ aus der Produktentwicklung, für die Soziale Arbeit, konkreter für die Gewichtung von fallimmanenten Risikofaktoren, zu verwenden bzw. zu adaptieren. Die Gegenüberstellung von Risikofaktoren innerhalb eines „Falles“ und die damit zusammenhängende Gewichtung ermöglicht einen besonders expliziten Reflexionsprozess. Das jeweils ermittelte „Gewicht“ der Risikofaktoren beeinflusst in weiterer Folge die Intervention(‐splanung) ‐ welche mit dem Instrument „Kriteriengewichtung“ nahezu „errechnet“ wird. Aktuell versuche ich als Lehrende des Masterstudienganges Kinder‐ und Familienzentrierte Soziale Arbeit (FH Campus Wien) das Tool mit Hilfe der Studierenden zu testen und zu evaluieren.

 

Vortrags-Panel 7

  • Michael Rölver: Fachliches Ermessen und Soziale Arbeit
    Soziale Arbeit ist in hohem Maße von Unsicherheiten und Ambivalenzen geprägt, die nicht zuletzt aus zum Teil widersprüchlichen Erwartungen verschiedenster Akteure entstehen. Fachkräfte sind täglich herausgefordert, fundierte Entscheidungen zu treffen. Dabei steht ihnen aus professioneller Sicht immer auch ein Ermessensspielraum zur Verfügung, wie sie ihre fachliche Arbeit vollziehen. Diskutiert und praktiziert werden zunehmend Ansätze einer evidenzbasierten Praxis und standardisierte Verfahren die sich auch auf fachliches Ermessen auswirken. Das Dissertationsprojekt untersucht, wie in Teams Sozialer Arbeit Ermessensspielräume diskutiert und genutzt werden. Der Fokus richtet sich auf nicht-standardisierte Ansätze. Es geht um die Bewältigung von Kontingenz und Ambivalenzen. Im Workshop werden erste Erkenntnisse aus der empirischen Erhebungen und der Analyse diskutiert. Das Forschungsprojekt folgt Ansätzen der rekonstruktiven Sozialforschung und einer praxistheoretischen Heuristik.

 

  • Peter Lüdtke: Partizipative Soziale Diagnostik
    Mittlerweile kann die Soziale Arbeit auf ein gut sortiertes Repertoire von diagnostischen Methoden zurückgreifen. Oft stellt sich jedoch die Frage, wie wende ich diese Methoden an und wie implementiere ich diese in meinen beruflichen Alltag. In dem Vortrag wird der partizipative Einsatz von sozialdiagnostischen Methoden als fester Bestandteil in verschiedenen Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit vorgestellt. Es wird auf spezielle Settings, unterschiedlichen Einsatz von Methoden und Medien und Besonderheiten in der jeweiligen Gesprächsführung eingegangen.

 

Vortrags-Panel 8

  • Kerstin Krottendorfer: Klinische Soziale Arbeit und Soziale Diagnostik in der pädiatrischen Neuroonkologie
    Seit April 2015 kommt an der Univ. für Kinder- und Jugendheilkunde Wien-Abt. Neuroonkologie im Zuge der biopsychosozialen Behandlung ein speziell für Klinische Soziale Arbeit entwickeltes diagnostisches Verfahren zur Anwendung – Soziales Diagnostikverfahren für die Klinische Soziale Arbeit in der Pädiatrischen Onkologie (DISAPO). Zwischenzeitlich wurde das diagnostische Vorgehen mit 89 PatientInnenfamilien erarbeitet. Anhand dieser Fälle wird die soziale Dimension einer neuroonkologischen Erkrankung bei Kindern/Jugendlichen erhoben. Mit DISAPO wird die Notwendigkeit einer prozesshaften und partizipativen klinisch-sozialarbeiterischen Interventionsplanung in diesem Handlungsfeld unterstützt.
    In dieser Präsentation wird DISAPO vorgestellt, erste Ergebnisse einer quantitativen Auswertung dargelegt und somit die Relevanz der Behandlung der sozialen Dimension in einem noch immer medizinisch-biologisch dominierten Bereich der Pädiatrie begründet.

 

  • Johanna Hefel & Martina Seyr: Leben gerettet: Soziale Arbeit, bitte!
    Der Alltag in der pädiat. Klinik ist bestimmt von hochspezialisierten Interventionen. Es zeigen sich im interdisziplinären Feld, in welchem Medizin, Pflege und Psychologie eine Akkumulation von Definitionsmacht, Positionsmacht etc. aufweisen, äußerst vielfältige und divergierende Vorstellungen von der Profession und Wünsche an die Profession (Klinische) Soziale Arbeit und somit bleibt die Frage Was denn Sache der Sozialen Arbeit ist unklar und vage. Dies führt zu einem Spannungsfeld der beteiligten Personen hinsichtlich des Auftrages von Sozialer Arbeit. Wer definiert wann eine Situation eine Sache Sozialer Arbeit wird? Wie reagieren Sozialarbeitende als Vertreter*innen der Profession auf Ansprüche/Zuschreibungen der vorherrschenden Leitdisziplin Medizin hinsichtlich des Auftrages an die Soziale Arbeit? Wie ist das Verhältnis von medizinischer und Sozialer Diagnostik? Anhand von Fallvignetten werden Diskussionspunkte aufgeworfen um kollaborativ die Praxis zu reflektieren.